Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM):

Zahlen und Fakten zu Unfall- und Krankheitskosten

Im Jahr 2024 mussten die UVG-Versicherer rund 915'000 Schadenfälle registrieren. Das sind 0.7 Prozent Schadenfälle mehr als im Jahre 2023 (KSUV, 2025, S. 15). Die Anzahl der Berufsunfälle und Berufskrankheiten (280'000 Schadenfälle) ist im Vergleich zum Vorjahr 2023 um 2.0 Prozent zurückgegangen (KSUV, 2025, S. 15). Die Zahl der anerkannten Freizeitunfälle stieg im Jahre 2024 um 1.7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (KSUV, 2025, S. 15). Bei den Stellensuchenden nahm die Zahl der registrierten Unfälle um 11.6 Prozent zu im Vergleich zu 2023 (KSUV, 2025,
S. 15).

Betriebsunfälle (BU)

Die Gesamtkosten für Betriebsunfälle[1] bzw. Berufsunfälle beliefen sich im Jahr 2023 auf CHF 1.836 Mrd. (KSUV, 2025, S. 24). Die beiden Unfallkategorien: Ausgleiten, Abgleiten, Abrutschen (von Personen) und Herunterfallen, Abstürzen (von Personen) waren die Kostentreiber und verursachten laufende Kosten von CHF 963.30 Mio. [2] (KSUV, 2025, S. 49). Die Zahl (absolute Häufigkeit) der anerkannten Berufsunfälle und Berufskrankheiten ging in den letzten Jahren dank den Präventionsmassnahmen, der demographischen Entwicklung und der Fortschreitung der Tertiärisierung der Wirtschaft zurück. Seit 2005 zeichnet sich jedoch ein leicht steigender Trend bei der Zahl anerkannter Unfälle ab (KSUV, 2025, S. 16).


[1] Die Unfallzahlen und -kosten aus der Unfallversicherung für Arbeitslose (UVAL) werden in der Statistik gesondert aufgeführt.

[2] Durchschnitt der Jahre 2019-2023

Nichtbetriebsunfälle (NBU)

Bei den Nichtbetriebsunfällen zeigt sich insgesamt ein weniger erfreulicheres Bild. Hier nehmen die anerkannten Schadenfälle seit Jahren, mit Ausnahme der Pandemiejahre 2020 und 2021, deutlich zu und verursachen hohe direkte und indirekte Kosten (KSUV, 2025, S. 24). Im Jahr 2022 sind über 579'000 anerkannte Freizeitunfälle registriert worden, das sind rund 47 Prozent mehr als im Jahr 1985 (KSUV, 2025, S. 16). Für die Betriebe entstehen durch einen Nichtbetriebsunfall in der Regel dieselben Folgekosten wie bei einem Betriebsunfall, also Kosten durch Ausfall oder reduzierte Arbeitskraft, administrativer Aufwand, organisatorische Kosten u. a. Ein verändertes Freizeitverhalten mit vielen neuen Angeboten in Sport und Spiel und eine offenbar zunehmende Risikobereitschaft tragen massgebend zu diesem Wachstum bei.

Krankheit

Im Rahmen der europäischen OSH Pulse Survey Erhebung zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz wurden auch in der Schweiz im Juli 2022 1'332 Personen im Angestelltenverhältnis mittels Fragebogen befragt (Selbsteinschätzung). Das Forschungsdesign musste, durch die Corona-Pandemie bedingt, angepasst werden. Deshalb lassen sich die Ergebnisse nur bedingt mit Erhebungen aus den vergangenen Jahren vergleichen.


Die Ergebnisse dieser Erhebung haben aufgezeigt, dass über ein Drittel der Befragten stets gleiche Hand- und Armbewegungen (44.2%), schmerzhafte oder ermüdende Körperhaltungen (42.8%) sowie Zeitdruck (42.5%) als häufigste arbeitsbedingte negative Faktoren einschätzen (Cianferoni, 2023, S. 3).


Stress (Ungleichgewicht von Ressourcen und Belastungen) wird von den Befragten als häufigste arbeitsbedingte oder mitbedingte Ursache für gesundheitliche Problem genannt (siehe Abbildung 1). Die Altersgruppe 15 bis 39 Jahre scheint stärker betroffenen zu sein als ältere Arbeitnehmende. Ältere Arbeitnehmende zwischen 54 und 64 Jahren sehen sich hingegen vermehrt mit arbeitsbedingten Schmerzen oder Problemen im Knochen-, Gelenk und Muskelbereich konfrontiert (Cianferoni, 2023,  S. 8).

Abbildung 1: Hatten Sie in den letzten 12 Monaten eines der folgenden gesundheitlichen Probleme,

das durch Ihre Arbeit verursacht oder verschlimmert wurde? [ja]

abhängig Erwerbstätigen (=1'332), Fehlerbereich +2.4%

                      Quelle: Flash Eurobarometer 2022 (SECO, 2023, S. 7).

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco in seinem Bericht über die 2021 durchgeführte Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingung (EWCTS 2021). In dieser Studie werden die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit der abhängig erwerbstätigen Bevölkerung in der Schweiz, ihrer Nachbarstaaten und der EU-27 verglichen (siehe Abbildung 2). Im europäischen Vergleich ist die prozentuale Betroffenheit der genannten Gesundheitsprobleme in der Schweiz tiefer als in anderen europäischen Ländern (Krieger & Arial, 2023,
S. 22).

Abbildung 2: Gesundheitsprobleme, Schweiz und Europa (2021)
                     EWCTS 2021: EU-27 (n=50’506) abhängig Erwerbstätige ohne Landwirtschaft; Schweiz (n=1’094)
                     Quelle: EWCTS 2021 (Seco, 2023, S. 22).

Stress nimmt durch die Exposition gegenüber bestimmten psychosozialen Risikotypen stark zu. Die Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) erhebt 32 Risiken, die zu neun Typen zusammengefasst werden (Marquis, 2024, S. 2). Gemäss der SGB im Jahre 2022 litten 50 Prozent der "emotional beanspruchten" Personen meistens oder immer unter Stress (siehe Abbildung 3). Bei Arbeitnehmenden, die sich nicht als "emotional beansprucht" einstufen, waren es 14 Prozent. Am stärksten steigt der Anteil der gestressten Arbeitnehmenden, wenn sie "hohe psychologische Arbeitsanforderungen" erfüllen müssen. Unter dieser Bedingung stehen 35 Prozent dieser Personengruppe unter Stress, gegenüber nur drei Prozent der Erwerbstätigen, die keinen "hohen psychologischen Arbeitsanforderungen" ausgesetzt sind (Marquis, 2024, S. 5).

Abbildung 3: Anteil der Personen, die Stress erleben,

nach Exposition gegenüber psychosozialen Risiken, 202
Erwerbstätige von 16 bis 64 (n = 10'962)

           Quelle: Schweizerische Gesundheitsbefragung (BFS, 2024, S. 5).

Direkte und indirekte Kostenfolgen durch Krankheit

Krankheit verursacht, neben dem menschlichen Leid der Betroffenen und ihren Angehörigen, hohe volks- und betriebswirtschaftliche Kosten. Diese Kosten sind in der Schweiz nicht einfach zu eruieren. Die direkten und indirekten Kosten setzen sich wie folgt zusammen:


In der Schweiz gibt es 5.364 Mio. Erwerbstätige [3. Quartal, Jahr 2025] (BFS, 2025, S. 2). Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung im Jahr 2022 sind 23 Prozent der Erwerbstätigen nach ihrer Einschätzung von Stress bei der Arbeit betroffen (Marquis, 2024, S. 1). Die durch Stress verursachten Produktivitätsverluste in Schweizer Betrieben belaufen sich gemäss Schätzungen auf CHF 6.5 Mrd. im Jahr (Galliker et al., 2022, S. 7). Die allein durch Rückenschmerzen verursachten Absenzen generierten in der Schweiz 2022 Kosten von CHF 2.664 Mrd. (Stucki et al., 2025, S. 85). Die durch Rückenleiden verringerte Arbeitsleistung (Präsentismus) führte 2022 zu geschätzten Produktionsverlusten (Berechnungsmethode: Human-Kapitalansatz) von CHF 5.292 Mrd. (Stucki et al., 2025, S. 90). Die Produktionsverluste durch Krankheit (Kosten durch Absentismus, Präsentismus, Invalidität, frühzeitiger Tod) betrugen 2022 in der Schweiz CHF 70.5 Mrd. Im Vergleich zu 2012 beträgt die Zunahme 14 Prozent. Treiber dieses Kostenanstiegs ist vor allem die Zunahme der Produktionsverluste durch Absentismus um 73 Prozent (Stucki et al., 2025, S. 71).


Betriebliches Gesundheitsmanagement ist in Schweizer Betrieben zunehmend ein Thema; einiges wird gemäss einer repräsentativen Erhebung der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz umgesetzt (Betriebsgrösse: 10 und mehr Mitarbeitende). In die regelmässig durchgeführten Betriebsbefragungen (Monitoring) wurden erstmals auch Kleinbetriebe (10 bis 49 Mitarbeitende) mit einbezogen.


Als wichtige Gründe eines Engagements im BGM-Bereich geben die befragten Betriebe, unabhängig von der Betriebsgrösse, dem Wirtschaftssektor und der Sprachregion, eine Erhöhung der Zufriedenheit, des Wohlbefindens der Mitarbeitenden, die Senkung der Absenzrate und die Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität an (Füllemann et al., 2025, S. 63).


Bei der Frage nach zukünftiger Schwerpunktsetzung im BGM werden Investitionen in den Bereichen: "Sensibilisierung zu Stress/psychischer Gesundheit", "Bewegungsförderung/Sportangebote" und "Gute Betriebskultur/wertschätzende Führungsstruktur" am meisten genannt (siehe Abbildung 4). Hier zeigt sich seit 2016 ein klarer Trend zur verstärkter Investition (Füllemann et al., 2025, S. 32).

Abbildung 4:  Investitionsbedarf im BGM-Bereich

Trends 2016 bis 2024, exkl. Kleinbetriebe

                      Schweizer Betriebe, 50 und mehr MA (N=938)

                      Quelle: (Gesundheitsförderung Schweiz, FHNW, 2025, S. 32).


PDF-Download: Betriebliches Gesundheitsmanagement_Zahlen und Fakten_2026


Es lohnt sich durchaus, die direkten und indirekten Kosten einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir geben Ihnen gerne umfassend Auskunft und beraten Sie gerne über mögliche Massnahmen.